Aufschieben und Perfektionismus: Warum beides zusammenhängt und was hilft

Warum gerade Perfektionisten aufschieben
Aufschieben heißt, eine Aufgabe vor sich herzuschieben, obwohl man weiß, dass es einen später einholt. Bei Perfektionisten liegt der Grund selten in der Faulheit, sondern in der Angst. In der Angst, dass das Ergebnis nicht gut genug wird.
Wenn nichts danebengehen darf, wird schon der Start zum Wagnis. Ein unfertiger erster Wurf schmerzt mehr als ein leeres Blatt, also warten Sie lieber. Sie erledigen es „ordentlich", sobald Zeit, Kopf und der perfekte Plan da sind. Nur kommt dieser Zeitpunkt nie.
Das ist die Zwickmühle: Je höher die Latte liegt, desto größer der Druck und desto leichter wandert die Arbeit auf morgen. Aufschieben erleichtert für ein paar Stunden und liefert danach frische Schuldgefühle. Und die schrauben die Latte noch weiter nach oben.
Perfektionismus ist nicht gleich Perfektionismus
Auf den Unterschied kommt es an. Ein gesundes Qualitätsstreben heißt: hohe Ansprüche, aber ein Fehler wirft Sie nicht um. Ungesunder Perfektionismus macht aus einem Fehler eine Katastrophe und wird stark davon getrieben, was die anderen denken könnten.
Gespeist wird das Aufschieben vor allem von der zweiten Sorte. Hohe Ansprüche allein lösen es nicht aus. Das eigentliche Problem ist die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil, nicht die Tatsache, dass Ihnen das Ergebnis am Herzen liegt.
Ein gesunder Perfektionist denkt: „Ich will das gut machen." Ein ungesunder denkt: „Ich darf mir keinen Fehler erlauben." Das erste Gefühl bringt Sie in die Arbeit, das zweite ins Vermeiden. Wer sich beim zweiten Satz ertappt, hat ein Signal vor sich, keinen Charakterfehler.
Wie sich das im Betrieb zeigt
Bei Selbstständigen und kleinen Betrieben sieht das ganz handfest aus:
Sie schreiben ein Angebot zum fünften Mal um, obwohl der erste Wurf gepasst hat.
Sie stellen Website oder Shop nicht online, weil noch „etwas fehlt".
Sie schicken eine Rechnung zu spät, weil Sie vorher den perfekten Überblick wollen.
Vor jeder Aufgabe „rüsten" Sie sich lange, fangen aber nicht an.
Heraus kommen keine besseren Ergebnisse, sondern späte Zahlungen, verlorene Aufträge und mehr Stress.

Beispiel
Lena ist selbstständige Grafikerin. Das Logo für einen Kunden ist nach zwei Tagen fertig, abgeben tut sie es erst nach zwei Wochen. Die ganze Zeit „bessert" sie nach und hat Angst, es reiche nicht. Dabei wäre der Kunde sofort zufrieden gewesen. So hat Lena Zeit für den nächsten Auftrag verloren und sich eine Woche Nervosität aufgehalst, ohne dass das Ergebnis spürbar besser war.
Was hilft
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Halten Sie fest, was „fertig" bedeutet
Legen Sie vor dem Start fest, wann die Aufgabe erledigt ist. Bei einem Angebot etwa: lesbar, richtige Zahlen, bis Freitag draußen. Nicht „perfekt". Mit einem klaren Ziel merken Sie, wann Schluss ist.
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Trennen Sie Machen und Ausbessern
Schreiben oder bauen Sie zuerst einen groben ersten Wurf und heben Sie die Kritik für danach auf. Wer gleichzeitig ausbessert und erstellt, bleibt stehen.
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Teilen Sie die Aufgabe in kleine Schritte
Ein großer Brocken schreckt ab. „Die Rechnung für dieses Projekt schreiben" schaffen Sie. „Die ganze Buchhaltung in Ordnung bringen" erschlägt Sie. Ein kleiner Schritt lässt sich schwerer aufschieben.
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Setzen Sie sich ein Zeitfenster
Arbeiten Sie in Blöcken, etwa 25 Minuten am Stück. Ein begrenztes Fenster nimmt den Perfektionsdruck von allein, weil am Ende einfach etwas herauskommen muss.
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Gehen Sie nachsichtiger mit sich um
Harte Selbstkritik macht das Aufschieben schlimmer. Wer sich nach dem Aufschieben Vorwürfe macht, fühlt sich schlechter und schiebt erneut auf. Ein freundlicherer Umgang mit sich senkt das Vermeiden.

Die Methode des ersten Wurfs: Erlauben Sie sich, es zuerst schlecht zu machen. Beim ersten Versuch zählt nicht die Qualität, sondern dass er überhaupt da ist. Etwas zum Ausbessern zu haben schlägt immer den Blick ins Leere. Die meisten merken, dass der „schlechte" erste Wurf brauchbarer ist als gedacht.
Wann es mehr als eine Unart ist
Ab und zu schiebt jeder etwas auf. Wenn der Druck, perfekt zu sein, aber in dauernde Angst, Schlafprobleme oder Erschöpfung kippt, geht es nicht mehr um Willenskraft oder besseres Planen. Dann ist es klug, mit einer Fachperson zu reden. Das ist kein Versagen, sondern ein vernünftiger Schritt.

Ist Perfektionismus immer schlecht?
Nein. Ein gesundes Qualitätsstreben hilft Ihnen. Das Problem ist die ungesunde Sorte, getrieben von der Angst vor Fehlern und dem Urteil anderer, denn die führt ins Vermeiden.
Warum schiebe ich gerade bei wichtigen Aufgaben auf?
Je mehr eine Aufgabe zählt, desto größer die Angst vor einem unfertigen Ergebnis und desto stärker der Drang, sie aufzuschieben. Kleine, unwichtige Dinge schiebt man schwerer auf, weil weniger auf dem Spiel steht.
Woran erkenne ich, ob ich aus Perfektionismus aufschiebe und nicht aus Faulheit?
Bei Faulheit haben Sie keine Lust auf die Aufgabe. Beim perfektionistischen Aufschieben wollen Sie sie machen, und genau deshalb fangen Sie nicht an. Begleitet wird das von Gedanken wie „Was, wenn es nicht gut genug ist?".
Funktioniert der „gut genug“-Ansatz auch dort, wo Qualität wirklich zählt?
Ja. „Gut genug" heißt nicht hudeln. Es heißt eine vernünftige Latte und Fertigwerden statt endlosem Nachbessern, das ohnehin zu nichts führt.
Hilft eine Frist?
Eine äußere Frist nimmt den Perfektionsdruck, weil fertig plötzlich vor perfekt kommt. Künstliche Fristen wirken schwächer, aber die Aufgabe in Schritte mit eigenen kleineren Fristen zu teilen hilft.
